Wer von einer „Hauser" spricht, meint eine Familie, nicht ein einzelnes Instrument. Fünf Generationen Hauser haben in Bayern Instrumente gebaut: Josef Hauser, Hermann Hauser I, Hermann Hauser II, Hermann Hauser III und heute Kathrin Hauser. Jede Generation hat das Erbe weitergetragen und ihm eine eigene Handschrift gegeben. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wer wann gebaut hat, woran Sie die Gitarren der einzelnen Generationen erkennen, welche Modelle als die besten gelten und worauf Sie beim Kauf einer historischen Hauser achten sollten.
Kurz gesagt
- Die Linie reicht von Josef Hauser (1854–1939) über Hermann Hauser I, II und III bis zu Kathrin Hauser, die heute gemeinsam mit ihrem Vater arbeitet.
- Hermann Hauser I machte den Namen weltberühmt: Andrés Segovia spielte ab 1937 eine seiner Gitarren, die heute im Metropolitan Museum of Art in New York steht.
- Die spanische Grundform blieb über alle Generationen erhalten, verändert haben sich Details wie Bebalkung, Maße und Zargenfutter.
- Am begehrtesten sind die spanischen Modelle von Hermann Hauser I aus den 1930er- und 1940er-Jahren, gefolgt von den Instrumenten Hermann Hausers II.
- Bei einer historischen Hauser entscheiden Echtheit, Originalzustand und dokumentierte Herkunft über den Wert, nicht allein das Baujahr.
Inhaltsverzeichnis
- Die Generationen auf einen Blick
- Josef Hauser: Die Wurzeln der Familie
- Hermann Hauser I: Vom Wiener Modell zur spanischen Gitarre
- Hermann Hauser II: Nachkriegszeit, Nylon und Export
- Hermann Hauser III und Kathrin Hauser: Die Werkstatt heute
- Bauweise und Klang im Vergleich
- Welche Hauser-Modelle als die besten gelten
- Worauf Sie beim Kauf einer historischen Hauser achten sollten
- Historische Konzertgitarren bei Vintage Guitar World
- Unsere Sicht auf die Hauser-Tradition
- Häufige Fragen
- Quellen
Die Generationen auf einen Blick
Die Reihenfolge ist klar dokumentiert. Laut einem Porträt über Kathrin Hauser im Magazin Acoustic Guitar umfasst die Familie fünf Generationen von Instrumentenbauern, von denen heute Vater und Tochter gemeinsam in der Werkstatt stehen.
| Generation | Lebensdaten | Prägende Leistung |
|---|---|---|
| Josef Hauser | 1854–1939 | Begründer der Werkstatttradition |
| Hermann Hauser I | 1882–1952 | Wiener Modelle, dann die spanische Bauweise; Segovias Gitarre von 1937 |
| Hermann Hauser II | 1911–1988 | Übernahme 1952, Ausbau des Auslandsgeschäfts, Umstellung auf Nylonsaiten |
| Hermann Hauser III | geboren 1958 | Weiterentwicklung von Konstruktion und Werkstatt in Reisbach |
| Kathrin Hauser | geboren 1982 | Fünfte Generation, baut gemeinsam mit ihrem Vater |
Josef Hauser: Die Wurzeln der Familie
Am Anfang steht Josef Hauser, der als Instrumentenbauer arbeitete und damit die Grundlage für alles Folgende legte. Gitarren im heutigen Sinn standen bei ihm noch nicht im Mittelpunkt. Entscheidend war etwas anderes: Er gab das Handwerk, den Umgang mit Holz, Leim und Lack und die Haltung eines Meisterbetriebs an seinen Sohn weiter. Instrumente aus dieser frühesten Phase tauchen auf dem Markt kaum auf und sind eher für Museen und spezialisierte Sammler von Bedeutung als für Spieler.
Hermann Hauser I: Vom Wiener Modell zur spanischen Gitarre
Hermann Hauser I ist der Grund, warum der Name heute in jeder Geschichte der klassischen Gitarre steht. Seine Laufbahn verlief in zwei deutlich unterscheidbaren Phasen.
Die Wiener Phase
In seinen frühen Jahren baute Hauser I Gitarren nach dem Vorbild der Wiener Tradition. Nach der englischsprachigen Biografie Hermann Hausers I fertigte er spätestens ab 1905 Wiener Modelle nach Johann Georg Stauffer. Eine Studie zur Geschichte von Laute und Gitarre beschreibt, wie er dieses Wiener Modell übernahm und weiterentwickelte, und hebt den klaren, durchsichtigen Klang der frühen Hauser-Gitarren hervor, der sich besonders für polyphone Musik eignet. Zu dieser Phase gehören auch kleinere Terzgitarren, die eine kleine Terz höher gestimmt werden.
Die Hinwendung zur spanischen Bauweise
Der Wendepunkt kam mit der Begegnung mit dem katalanischen Gitarristen Miguel Llobet im Jahr 1913, nach der Hauser I mehrere Gitarren nach spanischem Vorbild baute. Zwischen 1920 und 1930 entwickelte er laut der deutschen Biografie des Gitarrenbauers patentierte Neuerungen an der Deckenkonstruktion und an der Verbindung von Hals und Korpus. Sein Maßstab waren die Gitarren von Antonio de Torres, deren Prinzipien er nicht kopierte, sondern mit deutscher Präzision weiterführte. Zwischen 1924 und seinem Tod 1952 baute er rund 250 Gitarren im Torres-Stil, oft abgestimmt auf die Wünsche einzelner Spieler.
Segovia und der internationale Durchbruch
Andrés Segovia hatte früh erkannt, welches Potenzial in Hausers Können steckte, wenn er es auf spanische Vorlagen anwendete. 1937 wechselte Segovia zu einer Hauser-Gitarre und spielte sie bis 1962. Dieses Instrument begründete den Weltruf der Familie und ist heute im Metropolitan Museum of Art in New York zu sehen. Auch Julian Bream schätzte Hauser-Gitarren und nannte ihren Klang „the very essence of classicism in guitar sound", also den Inbegriff des Klassizismus im Gitarrenklang.
Hermann Hauser II: Nachkriegszeit, Nylon und Export
Hermann Hauser II arbeitete schon ab den 1930er-Jahren in der Werkstatt seines Vaters und übernahm sie 1952. Er hatte eine schwierige Aufgabe: das Werk eines Mannes fortzusetzen, dessen Gitarren bereits als Referenz galten. Er löste sie auf zwei Wegen.
Erstens baute er das Auslandsgeschäft aus, sodass Hauser-Gitarren in der Nachkriegszeit zu Konzertgitarristen in vielen Ländern fanden. Zweitens fiel in seine Zeit der Wechsel von Darmsaiten zu Nylonsaiten, an dessen technischer Umsetzung er stark beteiligt war. Nylon erzeugt eine andere Spannung und ein anderes Schwingverhalten als Darm, und eine Decke, die für Darmsaiten optimal war, muss für Nylon neu gedacht werden.
Konstruktiv blieb Hauser II beim spanischen Grundmodell seines Vaters, experimentierte aber mit Bebalkungsmustern und Maßen. Seine Gitarren klingen deshalb oft etwas kräftiger und tragfähiger als die frühen Instrumente seines Vaters, ohne die typische Klarheit aufzugeben. Für Spieler, die eine historische Hauser im Konzertalltag nutzen wollen, sind gut erhaltene Instrumente von Hauser II häufig die praktischere Wahl.

Hermann Hauser III und Kathrin Hauser: Die Werkstatt heute
Hermann Hauser III, geboren 1958, führt die Tradition fort und arbeitet gezielt an der Weiterentwicklung von Gitarre und Bauweise. Bei den Zargenfuttern, den Holzleisten, die Decke und Boden mit den Zargen verbinden, verwendet er eigene Varianten. Seine Gitarren gelten als kraftvoll und modern, bleiben aber in Form und Grundidee unverkennbar Hauser.
Mit Kathrin Hauser, geboren 1982, steht die fünfte Generation in der Werkstatt. Sie ist die Urenkelin von Hermann Hauser I und baut gemeinsam mit ihrem Vater. Die Werkstätte Hermann Hauser in Reisbach an der Vils in Niederbayern ist heute der Ort, an dem beide arbeiten.
Neue Hauser-Gitarren entstehen in kleiner Stückzahl, jede einzelne über Monate. Wer eine neue Gitarre aus der Werkstatt bestellen will, muss mit langen Wartezeiten rechnen, die sich oft in Jahren bemessen. Genau deshalb weichen viele Spieler auf historische Instrumente aus, die sofort verfügbar sind und schon eine Geschichte mitbringen.
Bauweise und Klang im Vergleich
Alle späteren Generationen haben die Grundgestaltung des spanischen Modells beibehalten. Die Unterschiede liegen in Details, die man hört und unter dem Spiegel sieht, aber nicht auf den ersten Blick.
| Merkmal | Hauser I (spanische Phase) | Hauser II | Hauser III / Kathrin Hauser |
|---|---|---|---|
| Grundform | Torres-inspiriert, eigene Weiterentwicklung | Spanisches Modell des Vaters | Spanisches Modell, weiterentwickelt |
| Besaitung | Ursprünglich Darm | Übergang zu Nylon | Nylon |
| Konstruktive Handschrift | Patentierte Decken- und Halslösungen | Varianten bei Bebalkung und Maßen | Eigene Varianten der Zargenfutter |
| Klangcharakter | Klar, ausgewogen, sehr transparent | Klar, etwas mehr Kraft | Klar, kräftig, modern |
| Typischer Einsatz | Polyphone Musik, Sammlung | Konzert und Sammlung | Konzert |
Zwei Baumerkmale ziehen sich durch die Familiengeschichte: die dreilappige Kopfplatte und eine V-förmige Verbindung von Hals und Korpus, die auf die Tradition der Füssener Lautenmacher zurückgeht. Wie stark Holz, Lack und Konstruktion den Klang einer Konzertgitarre prägen, erklären wir ausführlich im Beitrag zu Materialien bei Klassikgitarren.
Der vielbeschriebene Hauser-Klang lässt sich so zusammenfassen: Jede Stimme bleibt hörbar, der Bass dominiert nicht, der Diskant singt ohne Schärfe. Das macht Hauser-Gitarren besonders geeignet für Bach, für Renaissance- und Barockbearbeitungen und für alles, was mehrstimmig gedacht ist. Wer vor allem großes Volumen für weite Säle sucht, erlebt eine frühe Hauser manchmal als zurückhaltend.
Welche Hauser-Modelle als die besten gelten
„Die beste Hauser" gibt es nicht, wohl aber Gruppen von Instrumenten, die Sammler und Spieler besonders schätzen.
Spanische Modelle von Hermann Hauser I
Die Konzertgitarren nach spanischem Vorbild aus den 1930er- und 1940er-Jahren sind die Spitze des Marktes. Sie verbinden die Reife von Hausers Konstruktion mit der Verbindung zu Segovia. Weil Hauser I insgesamt nur etwa 250 dieser Instrumente baute, kommen sie selten in den Handel. Ein gut erhaltenes Exemplar mit belegter Herkunft ist ein Instrument von musealem Rang.
Wiener Modelle und Terzgitarren
Die frühen Gitarren in Wiener Tradition sind historisch faszinierend und klanglich eigenständig. Sie haben eine andere Mensur, eine andere Korpusform und oft eine schlankere Klangfarbe. Für Sammler historischer Instrumente und für Spieler, die Musik des 19. Jahrhunderts auf passendem Instrument hören wollen, sind sie eine eigene Kategorie.
Konzertgitarren von Hermann Hauser II
Instrumente aus den 1950er- bis 1980er-Jahren sind gesuchte Spielinstrumente. Sie wurden bereits für Nylonsaiten gedacht und lassen sich ohne Kompromisse im heutigen Konzertbetrieb einsetzen.
Neuere Gitarren von Hermann Hauser III und Kathrin Hauser
Wer eine moderne Hauser mit voller Leistungsfähigkeit sucht, findet sie in den neueren Instrumenten der Werkstatt. Gebraucht gehandelte Exemplare ersparen die lange Wartezeit auf ein neues Instrument.
Und für Flamenco?
Die Familie Hauser ist vor allem für klassische Konzertgitarren bekannt. Wer Flamenco spielt, braucht in der Regel ein Instrument mit niedrigerer Saitenlage, perkussiverem Ansprechverhalten und kürzerem Ausklingen. Dafür lohnt der Blick auf traditionelle spanische Flamencogitarren, wie Sie sie in unserer Kategorie Flamenco Gitarren finden.
Worauf Sie beim Kauf einer historischen Hauser achten sollten
Eine historische Hauser ist eine bedeutende Anschaffung. Diese Schritte schützen Sie vor Fehlkäufen:
- Echtheit prüfen lassen. Bekannte Namen ziehen Fälschungen und falsch zugeordnete Instrumente an. Zettel, Brandstempel, Kopfplattenform und die typische Halsverbindung geben Hinweise, ersetzen aber keine fachliche Begutachtung.
- Generation eindeutig zuordnen. Der Name allein sagt nicht, ob eine Gitarre von Hauser I, II oder III stammt. Zettel, Seriennummer und Baumerkmale müssen zusammenpassen.
- Originalzustand bewerten. Ist die Decke original? Wurde neu lackiert, wurden Risse fachgerecht repariert, Bünde oder Steg getauscht? Jede Abweichung verändert Klang und Wert. Unser Leitfaden Gitarrenhistorie erkennen zeigt, worauf Sammler achten.
- Herkunft dokumentieren. Frühere Besitzer, Rechnungen, Fotos und Gutachten erhöhen die Sicherheit und den Wiederverkaufswert.
- Selbst anspielen. Zwei Hauser-Gitarren desselben Jahrzehnts können sehr unterschiedlich klingen. Hören Sie, ob das Instrument zu Ihrem Repertoire passt.
- Pflege und Klima einplanen. Alte Fichtendecken und Schellack reagieren empfindlich auf trockene Heizungsluft. Wie Sie ein solches Instrument erhalten, beschreibt unser Beitrag Warum klassische Gitarren ihren Wert behalten.
Historische Konzertgitarren bei Vintage Guitar World
Wenn Sie eine Gitarre in der Tradition großer Meister suchen, ob historisch, handgebaut oder restauriert, prüfen und beschreiben wir jedes Instrument in unserem Shop sorgfältig. In unseren Historischen Gitarren und Klassischen Gitarren finden Sie ausgewählte Konzertgitarren mit ausführlicher Beschreibung und historischem Hintergrund.

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Unsere Sicht auf die Hauser-Tradition
Wir erleben im Gespräch mit Musikern immer wieder, dass der Name Hauser vor allem als Statussymbol wahrgenommen wird. Das wird der Familie nicht gerecht. Was die Generationen verbindet, ist eine Haltung: das spanische Modell ernst nehmen, es genau verstehen und dann nur dort verändern, wo eine Veränderung dem Klang dient. Diese Haltung suchen wir auch bei jeder Gitarre, die wir auswählen.

Für die Kaufentscheidung heißt das: Fragen Sie nicht zuerst nach der berühmtesten Generation, sondern nach dem Instrument, das zu Ihrer Musik passt. Eine frühe Hauser I ist ein Stück Musikgeschichte und klingt für polyphones Repertoire wunderbar. Eine gut erhaltene Hauser II kann im Konzert die verlässlichere Partnerin sein. Und eine handgebaute Meistergitarre in derselben Tradition kann Ihnen mehr Freude machen als ein berühmter Zettel an einem stark überarbeiteten Instrument.
Unser Rat als Musiker und Fachleute: Spielen Sie, vergleichen Sie, lassen Sie prüfen. Ein Instrument dieser Klasse verdient eine ehrliche Bewertung, und Sie verdienen die Sicherheit, genau das zu bekommen, was beschrieben ist. Wer verstehen will, warum gerade alte Gitarren so reizvoll klingen, findet in unserem Beitrag Warum alte Gitarren besser klingen unsere Erfahrungen aus der Werkstattpraxis.
— Vintage
Häufige Fragen
Wie viele Generationen Hauser gibt es?
Es sind fünf Generationen: Josef Hauser, Hermann Hauser I, Hermann Hauser II, Hermann Hauser III und Kathrin Hauser. Heute arbeiten Hermann Hauser III und seine Tochter Kathrin gemeinsam in der Werkstatt in Reisbach an der Vils.
Welche Hauser-Gitarre spielte Andrés Segovia?
Segovia spielte von 1937 bis 1962 eine Gitarre von Hermann Hauser I. Dieses Instrument gilt als eine der bedeutendsten Konzertgitarren des 20. Jahrhunderts und ist heute im Metropolitan Museum of Art in New York ausgestellt.
Woran erkenne ich, von welcher Generation meine Hauser stammt?
Hinweise geben Zettel, Seriennummer, Kopfplattenform, Halsverbindung und Konstruktionsdetails wie Bebalkung oder Zargenfutter. Weil Zettel getauscht oder Instrumente falsch zugeordnet sein können, empfehlen wir eine fachliche Begutachtung mit schriftlichem Gutachten.
Klingt eine alte Hauser besser als eine neue?
Nicht automatisch. Frühe Instrumente von Hauser I klingen besonders klar und transparent, neuere Gitarren der Werkstatt oft kräftiger. Welche Gitarre besser ist, hängt von Ihrem Repertoire, Ihrem Anschlag und dem Zustand des einzelnen Instruments ab.
Eignet sich eine Hauser für Flamenco?
Hauser-Gitarren sind als klassische Konzertgitarren gebaut und auf ausgewogene, mehrstimmige Klangbilder ausgelegt. Für Flamenco wählen die meisten Spieler eine eigens dafür gebaute Flamencogitarre mit niedriger Saitenlage und perkussivem Ansprechverhalten.
Quellen
- Acoustic Guitar: Kathrin Hauser and Her Family’s Guitar-Making Dynasty
- Wikipedia: Hermann Hauser (Gitarrenbauer)
- Wikipedia: Hermann Hauser, Sr.
- Accords Nouveaux: Buch zur Laute, S. 336–337
- La Guitarra Blog: The Definitive Elements of the Hermann Hauser Spanish Guitar
- Hermann Hauser Guitar Foundation: Werkstätte

