In Deutschland finden Sie Gitarren in Katalogen öffentlicher Versteigerer, bei spezialisierten Musikinstrument-Auktionen und auf etablierten Online-Auktionsplattformen. Melden Sie sich vorab an, legen Sie ein Maximalgebot fest und rechnen Sie Aufgeld sowie Abholung fest ein. Wer diese drei Schritte beherzigt, vermeidet die teuersten Fehler beim Bieten. Details zu Fristen und Kosten folgen weiter unten.
Kurz gesagt:
- Bei öffentlichen Versteigerungen wie Zoll-Auktionen ist mit hohen Abholungskosten und meist nur Eigenabholung zu rechnen.
- Das Aufgeld beträgt in Deutschland typischerweise 20 % auf den Zuschlagsbetrag, zuzüglich Mehrwertsteuer, was die Endkosten erheblich erhöht.
- Professionelle Zustands- und Echtheitprüfung vor der Auktion empfiehlt sich bei teuren oder seltenen Instrumenten, um unerwartete Mängel zu vermeiden.
- Bei gewerblichen Online-Auktionen besteht ein 14-tägiges Widerrufsrecht, bei Live-Auktionen ist es meist ausgeschlossen, weshalb genaue Kenntnis wichtig ist.
- Die Zahlungs- und Abholfristen liegen häufig bei etwa zehn Tagen, Überschreitungen können zu Verzugsgebühren oder Verlust des Zuschlags führen.
Inhaltsverzeichnis
- Wo Sie Gitarrenauktionen in Deutschland finden
- Wie eine Gitarrenauktion abläuft: Registrierung, Gebote und Gebühren
- Zustand, Echtheit und Herkunft vor dem Gebot prüfen
- Welche Rechte haben Sie als Käufer bei Online-Auktionen?
- So bereiten Sie sich richtig auf Ihr Gebot vor
- Wann sich ein Gutachten vor der Auktion lohnt
- Für wen lohnen sich Gitarrenauktionen wirklich?
- Anspieltermine und Gutachten als Rückhalt beim Bieten
- Quellen
- FAQ
Wo Sie Gitarrenauktionen in Deutschland finden
Vier Wege führen zu Instrumenten unter dem Hammer, und jeder hat einen anderen Charakter. Staatliche Versteigerungen von Zoll und Justiz sind günstig, verlangen aber meist Eigenabholung. Die Zoll-Auktion ist das offizielle Auktionshaus von Bund, Ländern und Gemeinden, das eingezogene oder beschlagnahmte Ware versteigert, darunter gelegentlich Musikinstrumente aus Nachlässen oder Zollverfahren.
Regionale Auktionshäuser bieten dagegen mehr Service: Katalogfotos, Besichtigungstermine, telefonische Beratung. Spezialisierte Musikinstrument-Auktionen kennen den Markt genau und schätzen realistisch. Große Online-Plattformen wiederum punkten mit Reichweite und Filterfunktionen, verlangen aber oft höhere Aufgelder.
Für die Suche lohnt sich Systematik:
- Katalogsuche mit Modellnamen, Baujahr oder Hersteller kombinieren
- Benachrichtigungen für neue Lose in der gewünschten Kategorie einrichten
- Besichtigungstermine mehrere Wochen vor dem Auktionstermin prüfen
- Regionale Auktionshäuser abonnieren, wenn Sie eine bestimmte Bauart suchen
Ein Blick in reale Kataloge zeigt, wie strukturiert das abläuft: Der Eintrag einer E-Gitarre bei Lüdtke Versteigerungen listet Startpreis, aktuelles Gebot, Aufgeldhinweis und Besichtigungszeiten in einer Übersicht.
Wie eine Gitarrenauktion abläuft: Registrierung, Gebote und Gebühren
Bevor Sie mitbieten dürfen, verlangt jedes Haus eine Registrierung. Meist reicht ein gültiger Personalausweis plus Kontaktdaten, bei höherwertigen Losen wird gelegentlich eine Kaution fällig. Wer aus der Ferne bieten will, sollte sich frühzeitig kümmern.
- Registrierung online oder vor Ort mit Ausweisdokument
- Wahl der Gebotsform: Saalgebot, schriftliches Ferngebot, Telefongebot oder automatischer Bietagent
- Festlegen des Maximalgebots beim Bietagenten, der dann in Ihrem Namen mitbietet
- Zuschlag bei Höchstgebot, oft unter Vorbehalt der Bestätigung
- Zahlung und Abholung innerhalb der gesetzten Frist
Fernbieter müssen sich laut gängigen Versteigerungsbedingungen häufig mindestens 48 Stunden vor Auktionsstart registrieren. Telefonische Gebote bleiben oft höherpreisigen Losen vorbehalten.
Das Aufgeld ist der Kostenfaktor, den Einsteiger am häufigsten unterschätzen. Häuser erheben üblicherweise ein Aufgeld von etwa 20 % auf das Zuschlagsgebot, zusätzlich kommt die Mehrwertsteuer hinzu. Bei einem Zuschlag von 1.000 € landen Sie damit schnell bei einem deutlich höheren Gesamtbetrag, da Aufgeld und Mehrwertsteuer hinzukommen. Zahlungs- und Abholfristen betragen bei vielen öffentlichen Versteigerern rund zehn Tage, danach drohen Verzugsgebühren oder der Verlust des Zuschlags.

Zustand, Echtheit und Herkunft vor dem Gebot prüfen
Ein Foto im Katalog verrät selten die ganze Wahrheit über eine Gitarre. Prüfen Sie deshalb systematisch, bevor Sie ein Gebot abgeben, denn nach dem Zuschlag ist es meist zu spät für Reklamationen.
- Hals auf Verzug und Risse, besonders am Übergang zum Korpus
- Bundierung auf Abnutzung und ungleichmäßige Höhe
- Mechaniken auf Leichtlauf und Rost
- Elektronik bei E-Gitarren: Potis, Schalter, Tonabnehmer testen, falls ein Anspielen möglich ist
- Lackrisse und frühere Reparaturen, die den Wert erheblich drücken können
Dokumente sind genauso wichtig wie der optische Eindruck. Seriennummer, Vorbesitzerkette und vorhandene Rechnungen oder frühere Gutachten liefern die Provenienz, die bei seltenen Instrumenten den Preis rechtfertigt. Bei älteren Gitarren mit exotischen Hölzern lohnt zusätzlich ein Blick auf mögliche CITES-Beschränkungen, die den Export einschränken können, wenn geschütztes Holz wie bestimmte Palisander-Arten verbaut wurde.
Profi-Tipp: Fragen Sie beim Auktionshaus gezielt nach hochauflösenden Detailfotos von Hals und Kopfplatte. Wer zögert, liefert oft, weil ein Problem bekannt ist. Eine Checkliste zur Gitarrenbewertung hilft dabei, nichts zu übersehen.
Welche Rechte haben Sie als Käufer bei Online-Auktionen?
Beim Kauf über das Internet greift grundsätzlich das Fernabsatzrecht mit einem 14-tägigen Widerrufsrecht, wenn der Verkäufer gewerblich handelt. Das gilt auch für gebrauchte Gitarren, die online verkauft werden. Zwei Ausnahmen sollten Sie kennen: reine Privatverkäufe unterliegen diesem Recht nicht, ebenso wenig maßgefertigte Einzelstücke.
Fehlende oder unvollständige Informationspflichten des Händlers können die Widerrufsfrist sogar verlängern, in Extremfällen auf bis zu zwölf Monate. Die Gewährleistung funktioniert nach anderen Regeln als der Widerruf, und genau hier liegt die Falle bei Auktionen.
| Aspekt | Regelung |
|---|---|
| Widerrufsrecht | 14 Tage bei gewerblichem Verkäufer, Online-Kauf |
| Ausnahme | Privatverkauf, individuell angefertigte Ware |
| Gewährleistung | Grundsätzlich möglich, aber bei Auktionen oft vertraglich ausgeschlossen |
| Beweislastumkehr | Innerhalb der ersten zwölf Monate liegt sie beim Verkäufer |
| Folge fehlender Informationspflicht | Verlängerte Widerrufsfrist möglich |
Auktionshäuser schließen die Gewährleistung in ihren Versteigerungsbedingungen fast immer vertraglich aus. Mängelansprüche lassen sich dann kaum noch durchsetzen, außer Sie können mit einem Sachverständigengutachten belegen, dass die Beschreibung im Katalog falsch war. Lesen Sie deshalb jeden Katalogtext genau, bevor Sie bieten.
So bereiten Sie sich richtig auf Ihr Gebot vor
Ein realistisches Budget besteht aus mehr als dem reinen Zuschlagspreis. Rechnen Sie Aufgeld, Mehrwertsteuer, Versand und im Zweifel Restaurierungskosten sowie eine Transportversicherung dazu, sonst überrascht Sie die Endsumme.
- Maximalgebot vor der Auktion schriftlich festlegen, inklusive aller Nebenkosten
- Besichtigungstermin vereinbaren und Instrument kurz anspielen, bei E-Gitarren die Elektronik testen
- Zahlungsmodalitäten und Abholfrist beim Auktionshaus klären
- Bei Versand auf stabile Verpackung und Transportversicherung bestehen
- Einen automatischen Bietagenten nutzen, statt live mitzubieten
Profi-Tipp: Setzen Sie Ihr Maximalgebot vor der Auktion fest und ändern Sie es während des Bietens nicht mehr. Wer live mitbietet, überschreitet sein Budget fast immer, sobald ein Konkurrent mitzieht. Wie sich Zuschlagspreise realistisch einordnen lassen, zeigt ein Leitfaden zu Auktionspreisen.
Wann sich ein Gutachten vor der Auktion lohnt
Bei hochpreisigen Losen oder unklarer Provenienz lohnt sich ein zweiter, fachlicher Blick. Für diesen Bedarf bieten spezialisierte Fachanbieter Anspieltermine und Wertgutachten an, die genau an diesem Punkt greifen: dort, wo Katalogtext und Fotos allein nicht ausreichen, um Echtheit und Zustand zuverlässig einzuschätzen.
- Anspieltermine zeigen Spielgefühl und Klang, bevor eine Kaufentscheidung fällt
- Wertgutachten dokumentieren Zustand, Echtheit und realistischen Marktwert
- Ein Wertgutachten dauert meist ein bis vier Wochen, abhängig vom Instrument und der Prüftiefe
Ein solches Gutachten schafft Klarheit vor dem Gebot und erleichtert später Versicherung oder Weiterverkauf, weil der Wert schriftlich belegt ist. Gerade bei Instrumenten mit unklarer Vorbesitzerkette reduziert das die Unsicherheit deutlich.
Für wen lohnen sich Gitarrenauktionen wirklich?

Sammler profitieren von Auktionen mehr als Gelegenheitskäufer, und das liegt nicht am Glück, sondern an der Vorbereitung. Wer ein bestimmtes Modell seit Jahren sucht, kennt die Marktpreise, erkennt Abweichungen im Katalogtext und kalkuliert Aufgeld und Versand automatisch mit ein.
Gelegenheitskäufer unterschätzen dagegen häufig die Gebührenfallen: Aufgeld plus Mehrwertsteuer plus Versand können den Zuschlagspreis um ein Drittel nach oben treiben, ohne dass eine Gewährleistung greift, falls die Gitarre nicht der Beschreibung entspricht. Wer sich unsicher ist, sollte vor dem Gebot ein Gutachten einholen oder sich beraten lassen. Eine unklare Provenienz ist bei einer 300-Euro-Gitarre verschmerzbar, bei einem seltenen Einzelstück nicht.
— Vintage
Anspieltermine und Gutachten als Rückhalt beim Bieten
Wer schon einmal auf ein Los gestarrt hat, dessen Echtheit sich nicht eindeutig klären ließ, weiß, wie viel ein zweiter fachlicher Blick wert ist. Spezialisierte Fachhändler begleiten genau diese Situation mit Anspielterminen im Ladengeschäft, Zertifikaten und Wertgutachten, die vor einem teuren Gebot Klarheit über Zustand und Echtheit schaffen.

Wenn Sie unsicher sind, ob ein Auktionslos sein Geld wert ist, oder wenn Sie eine eigene Gitarre lieber in fachkundigen Kommissionsverkauf geben möchten, statt selbst zu versteigern, lohnt sich ein Blick auf das aktuelle Angebot. Besonders bei vintage Gitarren lohnt sich vorab eine fachliche Einschätzung, bevor Sie sich auf ein Auktionsabenteuer einlassen. Vereinbaren Sie einen Anspieltermin oder fragen Sie nach einem Wertgutachten, bevor das nächste Gebot fällig wird, direkt über die Website von Vintage Guitar World.
Quellen
Für rechtliche und prozedurale Details lohnt sich der Blick in die Primärquellen. Die Teilnahmebedingungen der Zoll-Auktion erklären Registrierung und Fristen bei staatlichen Versteigerungen. Allgemeine Versteigerungsbedingungen regeln Gebotsformen und Gewährleistungsausschluss, während der Beitrag zum Fernabsatzrecht bei gebrauchten Gitarren Ihre Rechte als Käufer im Detail erklärt.
- An einer Zoll-Auktion teilnehmen | Amt Siek
- Gebrauchte Gitarren online: Das Fernabsatzrecht für Käufer und Verkäufer
- Versteigerungsbedingungen (Beispiel)
- Luedtke Versteigerungen – E – Gitarre
FAQ
Was kostet ein Wertgutachten für eine Gitarre?
Die Kosten für ein Wertgutachten sind auf der Seite von Vintage Guitar World einsehbar und richten sich nach Instrument und Prüftiefe. Die Bearbeitungsdauer liegt meist bei ein bis vier Wochen.
Wie hoch ist das Aufgeld bei deutschen Gitarrenauktionen?
Viele Auktionshäuser berechnen ein Aufgeld von etwa 20 % auf das Zuschlagsgebot, zusätzlich fällt Mehrwertsteuer an. Die genaue Höhe steht immer in den Versteigerungsbedingungen des jeweiligen Hauses.
Kann ich ein Gebot bei einer Auktion widerrufen?
Bei gewerblichen Online-Verkäufen gilt ein 14-tägiges Widerrufsrecht, bei klassischen Live-Auktionen mit Zuschlag greift dieses Recht meist nicht. Prüfen Sie deshalb vor dem Gebot genau, um welche Auktionsform es sich handelt.
Wie lange habe ich Zeit, ein ersteigertes Instrument abzuholen?
Bei öffentlichen Versteigerern wie der Zoll-Auktion liegt die Zahlungs- und Abholfrist meist bei zehn Tagen. Bei privaten Auktionshäusern kann die Frist abweichen, die genaue Regelung steht in den jeweiligen Versteigerungsbedingungen.
Hafte ich für Mängel, die nach dem Kauf auffallen?
Bei Auktionen ist die Gewährleistung häufig in den Versteigerungsbedingungen vertraglich ausgeschlossen. Ohne Sachverständigengutachten lassen sich Mängelansprüche danach kaum durchsetzen, weshalb eine Prüfung vor dem Gebot so wichtig ist.

