James Ashborn 1850 Parlor Akustik Gitarre
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James Ashborn 1850 Parlor Akustik Gitarre – amerikanische Gitarrenbaugeschichte auf Augenhöhe mit Martin
Manchmal hält man eine Gitarre in der Hand und muss seine Vorstellung davon, was vor mehr als 170 Jahren bereits möglich war, neu überdenken. Die James Ashborn 1850 Parlor Akustik Gitarre ist genau ein solches Instrument. Ihre Konstruktion ist erstaunlich raffiniert, die verwendeten Materialien sind von höchster Qualität – und klanglich braucht sich diese kleine amerikanische Parlor-Gitarre keineswegs vor den besten Instrumenten ihrer Epoche zu verstecken.
James Ashborn gehört zu den faszinierendsten Pionieren des frühen amerikanischen Gitarrenbaus. Um 1816 in England geboren, kam er Ende der 1830er-Jahre nach Neuengland und ließ sich schließlich in Connecticut nieder. Dort entwickelte er eine für ihre Zeit außergewöhnlich fortschrittliche Gitarrenproduktion. Seine Werkstatt arbeitete mit wassergetriebenen Maschinen, Vorrichtungen und spezialisierten Arbeitsschritten und erreichte eine bemerkenswerte Präzision und Stückzahl. Zeitweise entstanden dort mehr als 100 Gitarren in einem einzigen Monat.
Das Bemerkenswerte daran: Ashborn nutzte diese frühe Form der arbeitsteiligen Fertigung nicht, um einfache Instrumente herzustellen. Ganz im Gegenteil. Seine Gitarren zeigen eine erstaunlich anspruchsvolle Konstruktion und zahlreiche technische Lösungen, die ihrer Zeit weit voraus waren. Heute kann man Ashborn deshalb als einen der frühen Wegbereiter einer hochwertigen amerikanischen Gitarrenproduktion betrachten. Seine Instrumente wurden unter anderem über William Hall & Son in New York vertrieben.
Die James Ashborn 1850 Parlor Akustik Gitarre (Baujahr geschätzt da kein Hinweis in der Gitarre) macht diese Qualität unmittelbar sichtbar.
Schon die Holzauswahl zeigt, auf welchem Niveau dieses Instrument gebaut wurde. Eine hochwertige Fichtendecke trifft auf Palisander für Boden und Zargen – Materialien, die man auch bei den besten amerikanischen Gitarren dieser Epoche findet. Vergleichbare erhaltene Ashborn Style 1 Instrumente sind ebenfalls mit Palisander für Boden und Zargen dokumentiert.
Besonders interessant wird es jedoch im Inneren.
Die Konstruktion ist wesentlich aufwendiger, als die schlichte Eleganz der James Ashborn 1850 Parlor Akustik Gitarre zunächst vermuten lässt. Die Palisanderkonstruktion wurde innen zusätzlich mit einer hellen Holzlage aufgebaut. Untersuchungen erhaltener Ashborn-Gitarren dokumentieren tatsächlich laminierte Zargen mit einem stärkeren inneren Kern und Palisanderfurnier. Auch zahlreiche weitere Details – von den eng gesetzten einzelnen Reifchen bis zur Verarbeitung von Decke und Boden – zeigen deutliche Einflüsse spanischer Bauweisen.
Das ist kein Zufall. Ashborn kombinierte Elemente der englischen Gitarrenform mit damals modernen spanischen Konstruktionsideen. Besonders bemerkenswert ist die Verwendung einer fächerartigen Beleistung anstelle der bei vielen zeitgenössischen Instrumenten üblichen Leiterbeleistung. Damit verband er unterschiedliche europäische Traditionen zu einem erstaunlich modernen eigenen Konzept.
Auch der Hals der James Ashborn 1850 Parlor Akustik Gitarre zeigt, wie viel technische Überlegung in diesen Instrumenten steckt. Ashborn entwickelte ungewöhnlich komplexe Hals-, Kopfplatten- und Verbindungsdetails. Untersuchungen originaler Instrumente zeigen unter anderem einen aufwendig konstruierten V-Joint an der Kopfplatte sowie eine für ihre Zeit bemerkenswert raffinierte Verbindung zwischen Hals und Korpus.
Und dann sind da die Mechaniken.
Ashborn fertigte sogar eigene, technisch hochentwickelte Mechaniken. Messing, Schneckengetriebe, präzise ausgerichtete Wellen – ihre Konstruktion wirkt für die Mitte des 19. Jahrhunderts verblüffend modern. Dass die hochwertigen Mechaniken dieser James Ashborn 1850 Parlor Akustik Gitarre nach rund 175 Jahren noch immer erstaunlich präzise funktionieren, ist ein wunderbares Zeugnis dieser außergewöhnlichen Fertigungsqualität.
All diese Details wären bereits Grund genug, die Gitarre als bedeutendes historisches Instrument zu betrachten.
Aber dann spielt man sie.
Und plötzlich wird aus einem faszinierenden Stück amerikanischer Gitarrenbaugeschichte eine fantastische Musikinstrument.
Die James Ashborn 1850 Parlor Akustik Gitarre besitzt einen erstaunlich offenen, lebendigen und direkten Ton. Sie reagiert unmittelbar auf den Anschlag und entwickelt für ihren kompakten Korpus eine bemerkenswerte Präsenz. Die jahrzehntelang gereiften Hölzer verleihen dem Klang eine trockene, komplexe Vintage-Textur, während einzelne Töne klar und farbenreich stehen bleiben.
Genau hier wird der Vergleich mit den frühen Martin-Gitarren ihrer Epoche interessant. Ashborn war kein Hersteller einfacher Alternativen. Seine Konstruktionen waren technisch hochentwickelt, äußerst präzise und aufwendig gefertigt. Untersuchungen verschiedener erhaltener Ashborn-Instrumente zeigen sogar eine bemerkenswerte Maßhaltigkeit zwischen einzelnen Gitarren.
Für uns steht diese James Ashborn 1850 Parlor Akustik Gitarre klanglich und handwerklich absolut auf Augenhöhe mit hochwertigen amerikanischen Gitarren ihrer Zeit.
Mit einer Mensur von 615 mm und einer Sattelbreite von 43 mm fühlt sie sich angenehm kompakt an. Besonders wichtig ist jedoch, dass sie nicht nur historisch interessant, sondern heute hervorragend spielbar ist. Ein professionell ausgeführter Halsreset ermöglicht eine sehr gute Saitenlage, sodass sich die James Ashborn 1850 Parlor Akustik Gitarre überraschend leicht und komfortabel spielen lässt.
Dabei haben wir auch bei der Besaitung bewusst auf die historische Konstruktion Rücksicht genommen. Die Gitarre ist mit D’Addario EJ23 Phosphor Bronze in der extrem leichten Stärke .009–.045 bespannt. Durch die sehr geringe Zugkraft wird das historische Instrument geschont – gleichzeitig funktioniert diese Besaitung klanglich auf dieser Gitarre hervorragend.
Das Ergebnis hat uns wirklich begeistert.
Die James Ashborn 1850 Parlor Akustik Gitarre klingt nicht wie eine historische Kuriosität, die man nur vorsichtig für einige Minuten anspielen möchte. Sie ist eine Gitarre, die zum Musizieren einlädt. Leicht anzusprechen, überraschend kraftvoll und voller jener trockenen, holzigen und komplexen Klangfarben, die nur ein wirklich altes Instrument entwickeln kann.
Auch der Erhaltungszustand ist angesichts des enormen Alters bemerkenswert. Die James Ashborn 1850 Parlor Akustik Gitarre befindet sich für ein Instrument aus der Mitte des 19. Jahrhunderts in sehr gutem Zustand. Einige wenige Risse wurden im Laufe ihres langen Lebens fachgerecht repariert und sind heute stabil. Der Halsreset sorgt für die ausgezeichnete aktuelle Spielbarkeit.
Und vielleicht ist genau das die größte Faszination dieser Gitarre:
Um 1850 wurden in Connecticut bereits Instrumente gebaut, deren Konstruktion, Materialqualität und technische Raffinesse uns heute noch staunen lassen. Während der Name C. F. Martin längst zu einem Synonym für die Geschichte der amerikanischen Akustikgitarre geworden ist, ist James Ashborn außerhalb von Sammlerkreisen wesentlich weniger bekannt.
Die James Ashborn 1850 Parlor Akustik Gitarre zeigt eindrucksvoll, dass es sich lohnt, diesen Namen wiederzuentdecken.
Mehr als 170 Jahre alt. Erstaunlich aufwendig konstruiert. Hervorragend spielbar.
Und vor allem: eine fantastisch klingende Gitarre.
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