Louis Panormo 1827 Romantikgitarre
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Louis Panormo 1827 Romantikgitarre – Eine seltene Panormo mit außergewöhnlich tiefem Korpus
Manchmal verrät bereits die Form einer historischen Gitarre, dass ihr Erbauer etwas Besonderes im Sinn hatte. Bei dieser Louis Panormo 1827 Romantikgitarre fällt es sofort auf, sobald man sie von der Seite betrachtet: Der Korpus ist für eine Gitarre dieser Epoche außergewöhnlich tief. Etwa 100 mm misst die obere Zarge, bis auf beeindruckende 117 mm wächst sie am unteren Ende an.
Das ist weit mehr als eine optische Besonderheit. Vieles spricht dafür, dass die Louis Panormo 1827 Romantikgitarre für einen anspruchsvollen Spieler gebaut wurde, der mehr Tiefe, Volumen und Tragfähigkeit benötigte – möglicherweise für den Einsatz im Konzertsaal. In einer Zeit, in der Gitarristen noch ohne jede Verstärkung ihr Publikum erreichen mussten, konnte ein größerer Korpus einen entscheidenden Unterschied machen.
Und damit befinden wir uns mitten in einer der spannendsten Epochen der Gitarrengeschichte.
Louis Panormo gehörte zu den bedeutendsten Gitarrenbauern des frühen 19. Jahrhunderts in England. Aus einer Instrumentenbauerfamilie stammend und schließlich in London tätig, verband er verschiedene europäische Traditionen miteinander. Besonders bemerkenswert war seine Orientierung am spanischen Gitarrenbau. Seine Instrumente wurden mit Fächerbeleistung gebaut und zeigen deutliche Parallelen zu spanischen Gitarren jener Zeit. Auch Fernando Sor empfahl Panormos Instrumente – eine bemerkenswerte Verbindung zwischen einem der wichtigsten Gitarristen der Epoche und einem der führenden Londoner Gitarrenbauer.
Die Louis Panormo 1827 Romantikgitarre ist ein besonders interessantes Beispiel für diese Entwicklung. Ihre Fichtendecke wird mit Boden und Zargen aus wunderschönem Palisander kombiniert. Die Mensur beträgt 637 mm, die Sattelbreite 50 mm. Damit besitzt sie ein für eine historische Romantikgitarre vergleichsweise breites Griffbrett.
Und genau dieses Detail führt zu einer faszinierenden Theorie über die Geschichte des Instruments.
Es wird vermutet, dass die Louis Panormo 1827 Romantikgitarre ursprünglich möglicherweise für sechs doppelchörige Saiten konzipiert worden sein könnte und später – von Panormo selbst – zur heute üblichen sechssaitigen Ausführung umgebaut wurde. Das vergleichsweise breite Griffbrett könnte dafür einen Hinweis liefern. Auch die etwas ungewöhnliche Gestaltung der Kopfplatte passt in dieses Bild, wobei ähnliche Kopfplatten durchaus auch von anderen Panormo-Gitarren bekannt sind.
Diese Interpretation lässt sich heute nicht mit letzter Sicherheit beweisen. Gerade deshalb macht sie die Louis Panormo 1827 Romantikgitarre so spannend: Das Instrument erzählt nicht nur von seinem Erbauer, sondern möglicherweise auch davon, wie fließend die Entwicklung der Gitarre im frühen 19. Jahrhundert noch war.
Klanglich zeigt sich besonders deutlich, welchen Einfluss der ungewöhnlich tiefe Korpus hat. Die Louis Panormo 1827 Romantikgitarre besitzt für ihre Größe eine bemerkenswerte Tiefe und ein kräftiges Bassfundament. Gleichzeitig bewahrt sie jene feinen Klangfarben, die man mit einer guten Panormo verbindet. Der Ton bleibt differenziert und farbenreich, gewinnt durch das zusätzliche Korpusvolumen jedoch an Substanz und Präsenz.
Damit wirkt die Louis Panormo 1827 Romantikgitarre weniger wie ein zartes historisches Kuriosum und vielmehr wie ein ernsthaft konzipiertes Musikerinstrument. Man kann sich gut vorstellen, weshalb ein professioneller Gitarrist des frühen 19. Jahrhunderts genau eine solche Konstruktion gesucht haben könnte: die Sensibilität und Klangfarben einer romantischen Gitarre, verbunden mit mehr Fundament und Volumen für einen größeren Raum.
Nach beinahe 200 Jahren hat die Louis Panormo 1827 Romantikgitarre selbstverständlich Geschichte erlebt. Es gibt einige Reparaturen am Instrument, die professionell ausgeführt wurden und heute stabil sind. Gerade bei einem Instrument dieses Alters ist für uns entscheidend, dass notwendige Arbeiten fachgerecht vorgenommen wurden und die Gitarre weiterhin als historisches Musikinstrument erlebt werden kann.
Und genau darin liegt der Reiz dieses Exemplars.
Eine Louis Panormo ist bereits für sich ein bedeutendes Zeugnis der europäischen Gitarrengeschichte. Diese Louis Panormo 1827 Romantikgitarre geht mit ihrem außergewöhnlich tiefen Korpus, den ungewöhnlichen konstruktiven Details und der möglicherweise noch komplexeren frühen Geschichte einen Schritt weiter.
Sie ist fast 200 Jahre alt – und erzählt noch heute davon, wie Gitarrenbauer und Musiker nach mehr Klang, mehr Tiefe und mehr Ausdruck suchten.
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